Für Körper, Geist und Seele: 50 Jahre Klinische Psychologie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern
Ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass Dr. Thomas Schweitzer als erster klini scher Psychologe 1975 ins Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern kam. Den Werten des Ordens folgend – der die Etablierung der Klinischen Psychologie tatkräftig unterstützte – wurde nicht nur der Körper behandelt, sondern auch Geist und Seele auf professionelle Weise miteinbezogen. Seither hat sich viel getan und eine gute psy chologische Betreuung der Patient*innen hat heute noch eine größere Relevanz. „Frü her war die Hemmschwelle viel höher, psychologische Dienste in Anspruch zu neh men. Die Menschen hatten Angst, zusätzlich zu den körperlichen Beschwerden auch noch als ‚verrückt‘ abgestempelt zu werden. Ich bin seit mehr als 20 Jahren klinische Psychologin und in dieser Zeit hat sich das Verständnis und die Wahrnehmung inner halb der Gesellschaft zu dieser Thematik stark verändert“, sagt Mag.a Christina Mayr Pieper, die seit 2016 die Abteilung der Klinischen Psychologie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern leitet.
Ganzheitliche Betrachtung
Als onkologisches Leitspital stehen im Ordensklinikum Linz einerseits die Krebspatient*innen besonders im Fokus. Andererseits betreuen die Psycholog*innen auch viele anderen Patient*innen, die unter einer psychischen Belastung leiden. „Die klinische Psychologie ist in einem Akutspital wie unserem für verschiedenste Fragestellungen zuständig. Wir betreuen auch beispielsweise Menschen mit chronischen Darm- oder Herz-Kreislauferkrankungen, arbeiten in Therapie und Diagnostik im Kinder- und Jugendbereich mit und führen neuropsychologische Diagnostik bei Verdacht auf kognitive Störung durch. Eine wesentliche Aufgabe in allen Bereichen des Hauses ist es, in Krisensituationen therapeutisch da zu sein“, erklärt Mag.a Christina Mayr-Pieper. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist in den vergangenen Jahren dabei immer wichtiger geworden. „Früher wurden psychische und körperliche Aspekte oft getrennt betrachtet. Heute ist die psychologische Begleitung ein integraler Bestandteil der Behandlung. Wenn es gelingt, die Patient*innen darin zu unterstützen, ihre Situation besser zu verstehen und emotional zu verarbeiten, kann das sehr helfen. Der Stress wird damit reduziert, außerdem können die Betroffenen die Therapieziele besser verfolgen und ihr Leben weiterhin aktiv gestalten “, beschreibt Mayr-Pieper. In der Praxis zeigt sich zudem enge Wechselwirkungen zwischen psychischer Stabilität und körperlicher Gesundheit: Eine gestärkte Psyche kann sich positiv auf das Immunsystem und den gesamten Heilungsverlauf auswirken.
Durch den medizinischen Fortschritt und moderne Behandlungsmöglichkeiten leben Menschen mit schweren (Krebs-)Krankheiten mittlerweile wesentlich länger als noch vor einigen Jahren. Das führt wiederum dazu, dass Erkrankungen über immer größere Zeiträume zum ständigen Begleiter werden – und das nicht nur für die Betroffen selbst. „Das ganze Umfeld trägt die Belastung der Krankheit, die Ungewissheit über den Verlauf und die damit einhergehenden Einschränkungen mit. Deswegen ist es ganz wichtig, die Angehörigen mitzudenken und sie entsprechend in die Behandlung miteinzu beziehen“, sagt Mag. Christoph Arzt, klinischer Psychologe und Leiter des Ethikkomitees am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.
Früherkennung wichtig
Hauptsächlich begleiten die Psycholog*innen die Patient*innen während ihres stationären Aufenthalts. „Je früher psychische Belastungen erkannt werden, desto eher können Folgen, wie Depressionen oder Angsterkrankungen, reduziert werden“, so Mag.a Christina Mayr-Pieper. Aus diesem Grund gibt es standardisierte Screenings, damit die behandelnden Mediziner*innen und Pflegekräfte aus den anderen Abteilungen einen möglichen Bedarf sowie das subjektive Bedürfnis der Patient*innen nach klinisch psychologischer Behandlung feststellen können.
Wie oft die Betroffenen dann zur Therapie kommen, ist unterschiedlich. „Bei manchen reicht ein klärendes Gespräch als Hilfestellung. Andere kommen im Verlauf ihrer Erkrankungssituation in regelmäßigen Abständen zu uns“, erklärt die Psychologin. Die Zahlen der Zuweisungen sind in den vergangenen Jahrzehnten jedenfalls kontinuierlich angestiegen. Waren es 2002 noch etwa 1300 am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, wurden im letzten Jahr rund 3500 Patient*innen an der Abteilung der Klinischen Psychologie behandelt. Daher ist das Zeitmanagement eine der größten Herausforderungen im modernen Klinikalltag. „Viele Erkrankungen werden nicht mehr stationär behandelt. Auch Chemotherapien oder sonstige onkologische Behandlungen werden vermehrt ambulant durchgeführt. Das bedeutet für uns, dass Patient*innen kürzer im Haus sind, in dieser Zeit aber oft intensiver behandelt werden“, sagt Christoph Arzt.
Festakt zum Jubiläum
Zur Feier des 50-jährigen Bestehens der ältesten klinisch-psychologischen Abteilung in Oberösterreich veranstaltet das Ordensklinikum Linz eine festliche Jubiläumstagung am Donnerstag, 3. April, ab 9 Uhr im Seminarhaus auf der Gugl. Namhafte Referent*in nen werden zu den Themen Kinderpsychosomatik, Neuropsychoimmunologie, Psychoonkologie, Krisenintervention und Arbeitspsychologie spannende Vorträge halten. Das kulinarische Rahmenprogramm bietet dabei die ideale Möglichkeit zum fachlichen und persönlichen Austausch.
Mag.a Christina Mayr-Pieper, Abteilungsleiterin der Klinischen Psychologie
am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern
Mag. Christoph Arzt, Klinischer Psychologe und Leiter des Ethikkomitees
am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern
Rückfragehinweis für Journalist*innen:
Lena Gattringer, BA BA
lena.gattringer@ordensklinikum.at
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