GEHT UNS DAS PERSONAL AUS?
Arbeiten im Gesundheitswesen

12. Internationaler Kongress der OÖ. Ordensspitäler
Donnerstag, 6. November 2014
Design Center Linz

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Bestens besucht war der 12. Internationale Kongresse der OÖ. Ordensspitäler am 6. November im Linzer Design Center. Sr. Angelika Garstenauer, Generaloberin der Franziskanerinnen von Vöcklabruck, konnte Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, Generalvikar Prof. DDr. Mag. Severin Lederhilger OPraem, begrüßen.

Sr. Angelika führte aus, dass wer eine humane christliche Gesellschaft will, die Ansprüche der Beschäftigten an ihre Arbeitswelt ernst nehmen muss. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten einen entscheidenden Beitrag in der Erfüllung und Umsetzung des Ordensauftrags. Für das Bestreben um gute Arbeit ist neben allen notwendigen praktischen Maßnahmen um eine immer bessere Arbeitsqualität vor allem auch die Tatsache entscheidend, dass jeder Mensch eine Mitte braucht, aus der heraus er leben und arbeiten kann. Das kann aber nicht der Mensch allein sein, sondern nur sein Ursprung, Gott selbst.

In seinen Grußworten wies Generalvikar Lederhilger darauf hin, dass das Motto des Kongresses nicht nur für die Spitäler gelte, sondern auch für die Kirche. Es müssten Antworten gefunden werden und es sei für beide Einrichtungen durchaus eine ähnliche Aufgabenstellung. Seelsorge im weitesten Sinn kann hier positive Antwort sein, das christliche Menschenbild ein Vorbild.

Landeshauptmann Dr. Pühringer zeigte, dass in Umfragen von Patienten in den letzten zwei Jahren den Spitälern ein exzellentes Zeugnis hinsichtlich Patientenzufriedenheit ausgestellt wurde. 86 % der Befragten sind mit ihrem Spitalsaufenthalt sehr zufrieden oder zufrieden.

Sr. Angelika

Lederhilger

Pühringer

Prof. Dr.Dr. Karl-Heinz Wehkamp, Uni Bremen

"Wertschätzung" oder: Was nützt das beste Personalmanagement, wenn die Arbeitsbedingungen nicht stimmen und die Politik ihre Hausaufgaben nicht macht?

Prof. Dr.Dr. Karl-Heinz WehkampDie „Personalnot“ im Krankenhaus ist zu einem führenden Diskursthema geworden. Beratungsfirmen haben das Geschäftsfeld „Personalgewinnung und Personalentwicklung“ entdeckt. Die demographische Entwicklung wird gern als ein wichtiger Grund für die Personalnot herangezogen, was aber laut Referent so nicht stimmt.
Der Referent sieht vier Hinter-Gründe, wobei das Problem „Personalnot“ zugegebenermaßen nicht leicht zu lösen sei: 1. Bedingungen am Arbeitsplatz Krankenhaus, 2. die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen, 3. die Techniken von „Führung“ und Macht, 4. das „Wissen der Führung“ und die es bereitstellende Wissenschaft. Alle diese vier Gründe kulminieren im Aspekt Wertschätzung bzw. mangelnder Wertschätzung der Krankenhausmitarbeiter. Die Bedingungen am Arbeitsplatz Krankenhaus würden sich permanent verschlechtern, „das Lächeln ist verschwunden“. Es komme zu einer „unendlichen Verdichtung der Arbeit“, das entzieht auch der Seelsorge die Möglichkeit, besser für die Menschen da sein zu können.
Das Ergebnis dieser „Personalentwicklung“ äußert sich dann in Ohnmacht und Wut. Es gäbe kaum noch Gespräche unter den Mitarbeitern, im „Prozessmanagement“ kommt es zu einer totalen Außensteuerung. Besonders bedrückend wird die zunehmende Ökonomisierung der Krankenhäuser erlebt. Und schließlich bleibe immer weniger Zeit für den Patienten, man kann sich nicht mehr individuell um ihn kümmern. Der Referent kritisierte die Bewertung der Arbeit nur durch Kennzahlen und die immer stärker werdende Kommerzialisierung, Gewinnorientierung und Verlustvermeidung. Er kritisierte, dass bei „Qualitätsorientierung“ nur das Messbare zählt. Und auch in der Technik der Führung sieht Wehkamp teils krasse Defizite. „Das Wort Ethik, die ethische Reflexion und Orientierung fehlen vielfach völlig und tauchen in den Büchern des modernen Managements nicht auf. Führung sei oft nur Führung durch Kennzahlen. Die Folge dieser Entwicklung ist Desillusionierung in unserer Arbeitswelt insgesamt, nicht nur im Krankenhaus. Im Managementwissen wird versucht, Qualität zu quantifizieren, und zwar rein objektivierbar, ethikfrei und ökonomisiert. Und häufig passiert Management unter Ausschluss der Erfahrung der Mitarbeiter. Was die Mitarbeiter denken und fühlen, ist oft kein Thema. Konklusio des Referenten: Mehr Wertschätzung, anhören, mehr Bildung in der Führungsebene, die Würde achten, Werte klar formulieren und Spiritualität achten.

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Prof. Dr. Michael Bordt SJ, Hochschule für Philosophie, München

Contemplativus in actione. Über die innere Haltung im Dienst am Menschen

Prof. Dr. Michael Bordt SJDer Referent zeigte Impulse, was Menschen helfen kann, die in helfenden Berufen arbeiten. Er zeigte drei Aspekte zur gelingenden Arbeit auf.
1. Marathon and sprint: Wichtig ist Energiemanagement statt Zeitmanagement. Man soll das tun, was einem entspricht, dann hält man Arbeit auch lange gut aus. Darauf müsse jeder selbst die Antwort geben.
2. Always on: Das bedeutet ständig fokussiert zu sein auf die konkrete Situation und was gerade ansteht. Das bedeutet „leben in der Gegenwart“, und das ist so wie bei Meditation und Exerzitien. Dann könne man auch vollständig und ganz beim Patienten sein. Wenn das nicht passiert, ist der Mitarbeiter „zwar anwesend, aber abwesend“.
3. Calm in the eye of hurricane: Jeder soll Contemplativus in actione sein, voll in der Tätigkeit und gleichzeitig ganz bei sich selbst. Je mehr man arbeiten muss, umso wichtiger ist es, ganz bei sich zu sein. Man muss immer selbst bleiben, auch in Hochstressphasen. Man soll beobachten, interessierter Zeuge sein seines inneren Geschehens. Das ist aber nicht Selbstkontrolle, Selbstbewertung oder Selbstkommentierung. Man reagiert so frei und reagiert nicht auf Aggressionen und Widerstände. Man darf nicht den eigenen inneren Impuls ausleben und ihm folgen. Stress betrifft somit die innere Reaktion von Menschen, die sich nicht mehr wahrnehmen, weil sie nur noch fokussiert sind auf die Widerstände.
Gerade in helfenden Berufen ist es wichtig, ganz bei sich zu sein. Sonst ist man immer „Sklave dessen, wessen man sich nicht bewusst ist“. Was einem bewusst ist, das hat man andererseits auch unter Kontrolle. Daher sei es auch wichtig, Anerkennung und Wertschätzung nicht in der Hauptsache im Beruf zu finden. Bordt empfiehlt fünf praktische Lebensweisheiten bzw. Prioritäten für ein gesundes Leben: genügend Schlaf, Gesundheit, Meditation, Gebet und an sich dran sein, Beziehungen leben, speziell in Familie und Freundschaft und Arbeit. Sie gelingt nur, wenn die vorherigen Stufen gut erreicht sind. Ansonsten erwartet man sich von der Arbeit Dinge, die zur Beziehungsebene gehören, Arbeit als Selbstbestätigung kann also so auf Dauer nicht funktionieren.

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Dipl.Psych. Birgit Langebartels, mediccoach, Köln

Heilsame Prinzipien – Was Ärzte, Pflegekräfte und Patienten im Krankenhaus brauchen. Ergebnisse einer tiefenpsychologischen Studie

Dipl.Psych. Birgit LangebartelsDas Krankenhaus ist ein Ort der Schicksalsbehandlung. Ärzte, Pflegekräfte und Patienten sind viel stärker miteinander verwoben, als jede einzelne Gruppe sich das klar macht. Diese drei Berufsgruppen versuchen aber meist, aus ganz verschiedenen Blickrichtungen und mit eigenen Strategien mit dieser Dramatik fertig zu werden. Das Krankenhaus der Zukunft braucht ein tiefes gegenseitiges Verständnis für Sehnsüchte, Nöte und heilende Prinzipien von Patienten, Pflegekräften und Ärzten.
Patient sein in einem Krankenhaus bedeutet, in einer Gegenwelt zur heutigen Effizienzgesellschaft zu sein. Jedoch kann ein Spitalsaufenthalt nicht nur körperlich, sondern auch seelisch heilsam sein, indem man etwa neue Horizonte gewinnt, Glaube und Weisheit bestärkt und Freiräume findet. Das Krankenhaus kann so als konstruktive Reduktion des sich schnell drehenden Alltags erlebt werden. Der Krankenhausaufenthalt kann zu einer heilsamen Auszeit werden. Patienten sind nicht gleich in ihrem Krankheitsverhalten, deshalb brauchen sie auch spezifische Behandlungen.
Die Ärzte erleben sich oft als Frontkämpfer gegen Krankheit und Tod. Aber das Machbarkeitsideal und der Anspruch „Wunder“ zu vollbringen führt oft auch zu Überforderung. Es besteht dann die Gefahr, dass sich Ärzte zunehmend gegen die Schicksalswucht immunisieren, langfristig haben sie das Gefühl, ihre Ideale zu verraten. Das zentrale heilsame Prinzip für Ärzte ist daher der Druckabbau, sie brauchen Rückzugsmöglichkeiten und die Etablierung einer echten Teamarbeit.
Die Pflegekräfte erleben sich als hilfreiche Schicksalsbegleiter, als unverzichtbare und intensive Bezugspersonen. Sie tragen den Spitalsalltag, sie sind die Vermittler zwischen Medizin und Patient. Als belastend empfinden Pflegekräfte mangelnde Wertschätzung, sie sehen auch ihre Kompetenzen und ihr Potenzial zu wenig genutzt. Auch ihre Entwicklungsmöglichkeiten erleben sie als stark beschnitten. Das alles kann zu Burnout führen. Das zentrale heilsame Prinzip für Pflegekräfte ist daher die wertschätzende Miteinbeziehung.
Das Krankenhaus eröffnet Patienten, Ärzten und Pflegekräften oft eine ebenso kränkende wie heilende Schicksalswelt. Die fehlenden Sinn- und Entwicklungsperspektiven von Ärzten und Pflegekräften stellen eine Zeitbombe für das System dar. Daher ist wichtig mehr Seelenhygiene, Transparenz bei Abläufen, wirklicher Austausch zwischen Ärzten und Pflegekräften und Personalisierung der Beziehung zum Patienten, also den Patient vom Fall zum Menschen machen.
Der Krankenhausalltag soll patientengerechter werden. Für die Patienten ist es etwa ganz wichtig, schon bei der Aufnahme als Mensch aufgenommen zu werden. Der Krankenhausrhythmus müsse transparent sein, der Patient soll wissen, was warum wann passiert. Der Tagesablauf in einem Spital hat durchaus etwas mit einem klösterlichen Tagesablauf zu tun. Wenn es einem Patienten wieder besser geht, sollten ihm Freiräume eröffnet werden. Und zur besseren Verständlichkeit sollte man mehr in Bildern und nicht so sehr in Fachbegriffen sprechen.

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Dr. Georg Reiser, Head of Corporate Human Resources, voestalpine AG

„Steelikone und Stahlbursche – Talente finden und binden in der voestalpine“

Dr. Georg ReiserDer Referent ging ein auf die Wichtigkeit der Rolle der Führungskräfte. „Wer seinen Mitarbeiter gut behandelt, kann davon ausgehen, dass dieser die Kunden gut behandelt.“ Mitarbeiter kommen wegen einer guten Arbeitgebermarke und gehen wegen einer schlechten Führungskraft. Die Führungskraft bringt selbst exzellente Leistungen, kann mit der übertragenen Verantwortung umgehen und entwickelt sich kontinuierlich. Die Mitarbeiter sind passen qualifiziert und engagiert, sie befinden sich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz und bringen dann exzellente Leistungen in einem wertschätzenden Umfeld. Dann werden die Unternehmensziele gut umgesetzt.
Gute Führung beginnt im Kleinen: Versprechungen einhalten, fördern, an das Gute im Mitarbeiter glauben, Zuversicht geben, Feedback geben, konstruktive Kritik äußern und Erwartungen klären. Gute Führung setzt sich im Großen fort, etwa Visionen zu entwickeln und kommunizieren und indem ein Rahmen geschaffen wird, in dem Leistung ermöglicht wird. Weitere Schlüsselfaktoren sind Aus- und Weiterbildung und adäquate Vergütung.
Fazit des Referenten, um Mitarbeiter zu finden und zu binden: Wertschätzung auf allen Ebenen zeigen, Mitarbeitern Chance auf Weiterbildung geben und für gute Ausbildung sorgen, sie regelmäßig befragen. Die Botschaften müssen zielgruppengerecht sein, das Informations- und Kommunikationsverhalten muss analysiert werden.

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Dr. Mirriam Prieß, Hamburg

Burnout – ein Ausdruck von Schwäche oder ein gesunder Regulierungsmechanismus?
Warum immer mehr Menschen und Systeme verbrennen.

Dr. Mirriam PrießDie Zahl der psychisch Erkrankten hat in Deutschland in den letzten 20 Jahren stark zugenommen. Ein Mitarbeiter mit Burnout hat bis zu acht Monate Ausfallzeit. Insgesamt fielen in Deutschland 2010 53 Millionen Fehltage wegen Burnout an. Betroffen sind auch die Sozialberufe. Sowohl Unternehmen, aber auch man selbst kann Burnout vorbeugen. Eine gute Unternehmensatmosphäre ist daher die Voraussetzung für Gesundheit. Dazu gehört vor allem mit dem Mitarbeiter reden, ihn kennen lernen, den individuellen Handlungsspielraum des Mitarbeiters erkennen, die Förderung von Gesundheitsmaßnahmen, monatliche Supervision und Fragebögen. Wichtig ist auch eine Schulung für Führungskräfte, die eigene Führung ist die Voraussetzung für das Führen anderer. Betriebsärzte sollen auch körperliche Symptomatiken auf psychosomatische Zusammenhänge überprüfen. Selbst soll man dafür sorgen, regelmäßige Entspannungszeiten zu haben, Prioritäten setzen, Kompensationen vermeiden und insgesamt gesund leben. Dazu gehören auch Auszeiten. Neben dem Beruf und im Ausgleich zu ihm ist es also entscheidend, Wert zu legen auf persönliche Gesundheit, Individualität und Hobbys, Familie und Partnerschaft, Pflege von sozialen Kontakten und Glaube und Spiritualität. Glaube heißt Werte zu haben, an sie zu glauben. Das ist ein wesentlicher Teil für erfülltes Leben. Man müsse seine Identität leben und nicht die Prägung. Nur was man gerne macht, macht man wirklich gut. „Leben Sie oder funktionieren Sie nur?“ Wichtig ist daher ein guter Dialog und sich auf Augenhöhe begegnen, dann kann die Gesellschaft gesunden und auch das Individuum.

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Prof. Dr. Christian Schmidt, Vorstand Universitätsmedizin Rostock

Erfolgsfaktor Mensch - Über die Zufriedenheit von Ärzten und Pflegenden am Arbeitsplatz Krankenhaus

Prof. Dr. Christian SchmidtDer Referent sieht einen immer stärker werdenden Arbeitskräftemangel in den Gesundheitsberufen kommen. Sie seien die Industrie mit dem zukünftig größte Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, das gelte für Medizin und Pflege. Daher müssten Arbeitsprozesse in den Spitälern verbessert werden mit einer starken Reduzierung der Bürokratie. Medizin und Pflege wollen wieder viel mehr am Patienten sein. Die empfundene Belastung nimmt stark zu, zwei Drittel der Krankenhausmitarbeiter sind betroffen. Hauptgründe für die Unzufriedenheit der Mitarbeiter sind fehlende Wertschätzung, mangelnde Perspektiven, Personalmangel und ungenügende Führung.

Zukünftig müsse man auch auf die verschiedenen Einstellungen und Verhaltensweisen der „vier Generationen“ (Nachkriegsgeneration, Baby Boomer 1965 – 85, Generation X 1965 – 85, Generation Y 1985 bis heute) in unserer Gesellschaft mehr eingehen. Das bedeutet ebenfalls eine starke Herausforderung an die Führung. Teilzeit wird immer mehr zum Beschäftigungsstandard. Dienstplan, Ausbildung und Verfügbarkeit werden die zukünftigen Themen sein. Neue Arbeitsmodelle müssten entwickelt werden und die Führungskultur verbessert und verändert werden. Der Träger ist gefordert Sicherheiten zu geben und vor allem über Werte Unternehmenskultur zu schaffen, wobei Ordensspitäler hier einen entscheidenden Vorsprung haben, so der Referent. In der heutigen schnelllebigen Zeit sind spirituelle Werte ein Anker. Diese müssen authentisch transportiert werden, dann sind sie ein unglaublich starker Faktor für Mitarbeiterbindung.

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Weitere Informationen zum Kongress sowie Pressefotos auf Anfrage

Die Oö. Ordensspitäler danken ihren Partnern für die freundliche Unterstützung:
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